Orchesterworkshop 2016 | Blasorchester Greifswald e.V.
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10 Apr Orchesterworkshop 2016

Frühjahrsputz in der Notenmappe

Das Blasorchester Greifswald ist startklar für die neue Konzertsaison

Das Orchester ist nun schon 44 Jahre alt, eine Zeit, in der sich Traditionen entwickeln. Seit vielen Jahren zieht sich das Blasorchester Greifswald e.V. im Frühling ein Wochenende lang zurück und probt intensiv. Es werden neue Stücke erarbeitet andere entstaubt. Von Polka, Walzer, Marsch, Seemansweisen, Filmmusik bis hin zu Swing umfasst das Repertoire eine große Bandbreite, bei dem an den Tagen Ordnung geschaffen wird. Töne werden an die richtige Stelle sortiert und Akzente so gesetzt, dass der Swing nicht wie ein Marsch klingt.

Der Nachwuchs des Orchesters wird auch mitgenommen und auch die „Lütten“ üben fleißig. Der Spaß zusammen zu musizieren war so groß, dass sie selbst ein Arrangement erstellten als gerade die Großen in einem anderen Saal probten. Sie begutachteten das Ostergeschenk des Euphoniumspielers Constantin, es waren Noten von Star Wars und schrieben die Noten für Querflöte, Klarinette, Saxophon und Trompete so um, dass sie das Thema gemeinsam am Ende des Workshops vorführten konnten.

Eine besonders schöne Tradition ist auch die alljährliche Gute-Nacht-Geschichte bei der sich alle in einem Raum einfinden, das Licht geht aus, die Taschenlampe angeschaltet und die von einem kreativen Mitglied selbst geschriebene Geschichte wird verlesen. Alle Mitglieder sind Teil der Geschichte. Dieses Jahr drehte es um die Geschwister Querflötistin Hannah und Posaunist Luis, die in einem Bus den Seebären und Tubisten Torsten trafen. Mit Wortwitz und Insidern gespickt, wurde zwischendurch das Vorlesen unterbrochen, um das Gelächter verklingen zu lassen. Ein Spaß für die ganze Orchesterfamilie.

Aber auch das Wochenende geht irgendwann zuende. Den 42 Hobbymusiker bleibt ein weiteres schönes Erlebnis. Wir sehen uns freitags alle wieder bei der wöchentlich stattfindenden Probe. Der Workshop diente der Vorbereitung der Konzertsaison und ein großes Ziel steht schon auf dem Plan. Im Juni fahren wir nach Kolin (Tschechien) zum internationalen Blasmusikfestival „Kmochs Kolin“. Wir freuen uns schon darauf.

 

Die Gute-Nacht-Geschichte:

Ein magisches Wochenende im April

Gerade noch rechtzeitig und völlig aus der Puste erreichen Luis und Hannah mit all ihrem Gepäck den Überlandbus, der sie nach Burg Stargard bringen soll. Leider hatten sie beide die Abreise des Orchesters in Greifswald verpasst und mussten nun den umständlichen Weg über Demmin und Neubrandenburg antreten. Am jährlichen Workshop-Wochenende nicht teilzunehmen wäre für beide wirklich undenkbar.
Luis sitzt im Bus am liebsten hinten und so haben beide Glück, gerade noch zwei Plätze auf der letzten Sitzbank zu ergattern. Vor Ihnen sitzt der alte Kapitän Torsten am Fenster. Er hat seine Kapitänsmütze tief ins Gesicht gezogen und verfolgt gelassen das Gewimmel und Gedränge vor dem Bus. Er wirkt wie ein alter brummiger Kapitän, dem man seine lange Zeit auf See deutlich ansieht. Während der Bus sich nun langsam in Bewegung setzt dreht er sich zu den beiden um. Er hatte nämlich beobachtet wie Luis seinen Posaunenkoffer in den Bus geladen hat und fragt nun freundlich, wohin denn die Reise gehen soll. Hannah schaut etwas verwundert, warum er das wohl wissen will. Aber eh sie entsprechend antworten kann, hat Luis auch schon verraten, dass sie zum Orchesterworkshop nach Burg Stargard fahren zur Vorbereitung auf das Musikfest in Kolin. Ach wie schön, sagt Käpt’n Torsten, Ihr seid auch Musiker – und er erzählt den beiden, dass auch er für sein Leben gerne musiziert. Auf See hat er immer gerne Tuba gespielt und manchmal bei Einfahrt in den Hafen das Nebelhorn imitiert. Nun, seit er nicht mehr die Meere bereist, singt er öfter auch im Zinnowitzer Shantychor, gemeinsam mit seinen alten Freunden Peter und Henry, mit gelegentlichen Auftritten an der schönen Strandpromenade. Als der Seemann hört, dass beide zu einem Workshop nach Burg Stargard wollen, fällt ihm das Wochenende ein, das er mit seinem Onkel Dirk und seinen Freunden verbracht hat, als er noch ganz Lüth war.
Während der Bus die schmalen Straßen Richtung Demmin entlang holpert, hören Hannah und Luis gespannt seinen Erzählungen zu.
Wisst ihr, fing er an, die Burg dort gibt es schon seit dem 12. Jahrhundert. Sie steht zwar auf einem kleinen Hügel, nun gut es sind nicht die Alpen, aber sie ist trotzdem die nördlichste Höhenburg Deutschlands. Von oben hat man einen fantastischen Blick über die Landschaft, aber es gibt noch eine Besonderheit, die man eben nicht gleich sehen kann. Man sagt, hier könne man musikalische Zauberkräfte erwecken. Im frühen Mittelalter haben einige Musiker geglaubt, ihre Musik würde nur gelingen, wenn die Notengeister ihnen gut gesonnen sind. Sie wurden jedoch von vielen ausgelacht, denn niemand sonst als die, die die Seele der Musik empfinden können, glauben an die Magie der musikalischen Mächte. So schlossen Musiker aus aller Welt mit den Notengeistern einen geheimen Bund, denn Musik verbindet. Burg Stargard ist, wenn ich mich richtig erinnere, der einzige Ort im Mecklenburg, der diesem Bund schon sehr sehr lange angehört.
Ein geheimer Bund mit musikalischen Mächten? fragte Hannah nach. Sowas habe ich ja noch nie gehört… . Wir sind schon mehrfach in Burg Stargard gewesen und noch nicht mal Herr Felix unser Lehrer, der sonst immer alles weiß, hat uns davon berichtet. Auch in Meyers Lexikon steht nichts darüber.
Sowas schreibt ja auch keiner in ein Buch, wer würde ihm glauben, fügt der Käpt’n hinzu. Der Schlüssel, sag ich euch, der Schlüssel ist die Musik.
Währenddessen erreicht der Bus Demmin. Die Plätze auf den hinteren Sitzreihen leeren sich allmählich, allerdings nur für kurze Zeit. Das Gespräch zwischen den dreien gerät kurz ins stocken als die nächsten Fahrgäste einsteigen. Mit Ihnen auch Gunter, der gleich Hannah und Luis hinten im Bus entdeckt und sich zu ihnen setzt.
Na ihr beiden, schön euch zu sehen… aber was macht ihr denn hier im Bus, fragt Gunter. Wir haben leider die gemeinsame Abfahrt in Greifswald verpasst und so blieb uns nur noch die Möglichkeit den Landbus zu nehmen. Aber so eine spannende Busfahrt hatten wir noch nie… findet Hannah… Der Käptn erzählt uns nämlich gerade etwas über einen Bund musikalischer Mächte … Hast du schon mal davon was gehört? Mmh… überlegt Gunter, noch nicht… aber das es so einen Bund gibt, kann ich mir schon vorstellen, denn mit Musik kann man ja auch verzaubern, oder? … und blinzelt Hannah an.
Luis ist mittlerweile so gespannt, dass er den Käpt’n drängt, unbedingt weiter zu erzählen, um möglichst noch viel vor der Ankunft darüber zu erfahren.
Während der Bus seine Fahrt Richtung Neubrandenburg fortsetzt, geht die Unterhaltung hinten weiter.
Ich weiß, manche halten mich für verrückt, aber ich habe einige Notengeister schon persönlich erlebt. Das war ein tolles Erlebnis. Es liegt schon Jahrzehnte zurück. Auf einem der traditionellen Strandspaziergänge, den ich jedes Jahr zum Osterfest gemeinsam mit meinem Onkel Dirk und meiner Tante Dörte unternahm, erfuhr ich von erstmals von dieser Geschichte. Da ich es kaum glauben konnte, schlug mein Onkel vor, dass ich ihn mit meinen Freunden zusammen in den Frühlingsferien zum Musiktreffen auf die Burg Stargard begleiten könnte. Meine Freunde, das waren die drei rauen Burschen von der Küste der Trommelwirbel Marvin, mein Namensvetter der Klimper-Thorsten und der Wurzelholz-Hannes.
Und so kam es… wir trafen verschiedenste Musikgruppen auf der Burg und waren selbst mit unseren eigenen Instrumenten dabei.
Das Festival begann schon mit einem beeindruckenden Fanfarenstück der Gebrüder Paul & Sebastian. Für ein bisschen internationales Flair sorgte die französische Gastmusikerin Mademoiselle Agnes mit einem schönen Flötensolo. Weiter ging’s mit der niedlichen Annalena, der feschen Laura, der sportlichen Dani und dem sympathischen Björn – kurz dem netten Klariquartett. Ebenso präsentierte das berühmte Lorenzduo ein wunderbares Hornmedley. Erstmalig dabei war auch Annes Rock-Zirkus mit einem rocksigen Bigbandsound. Einige der Musiker kannten wir bereits von anderen Formationen aus Vorpommern. Wir waren schon damals Fans von Malte und Maria und ihrem beflügelnden Sounds und von Göran mit seinem coolen Beats auf dem Drumset. Ich erinnere mich auch noch an Konrads gefühlvollen Part in Phil Collins Stück, Another day in Paradise, das sehr berauschend war und zum Abschluss zauberte Nathalie noch ein sehr grooviges Solo auf ihrem Altsaxophon….
Der Bus rollte mittlerweile schon über den Neubrandenburger Ring und nun wurde Luis ungeduldig und wollte wissen, was das denn nun mit den musikalischen Mächte auf sich hat…und auch Hannah und Gunter warten gespannt, wie die Geschichte weitergeht….
Das will ich euch noch schnell erzählen, so der Käpt’n.
Irgendwie ging das Konzert in eine große Party über und ein Musiker nach dem anderen holte sein Instrument hervor und stimmte mit ein. Auch ich blies mit Elan in meine Tuba und wollte mal zeigen, was ich musikalisch so drauf habe.
Der satte und tiefe Klang brachte fast die Backsteinwände zum Beben und es kam zu einem grandiosen Klangerlebnis. Wir ließen die Töne im Rhythmus durch die Luft toben.
Wenn großartige Musik erklingt, können die Geister nicht anders und zeigen sich elfengleich auf dem Burghof. Wir trauten unseren Augen nicht als sie schwebend, noch halb transparent mühelos die dicken Burgmauern durchdrangen und über unseren Köpfen ein strahlenden Reigen tanzten. Die Notengeister sehen nicht etwa schwarz und gleich aus, nein, es sind prachtvolle Wesen so vielfältig wie die Musik. Mit ihren zarten kleinen Flügeln können sie, ganz so wie Töne und Melodien, wirklich durch den Raum fliegen.
Viele Leute, sag ich euch, kennen diese traumhaften Wesen nur als einzelne Töne auf der Tonleiter. Sie meinen Musik zu verstehen, nur weil sie die Töne mit Buchstaben benennen können. Dabei steckt in ihnen so viel mehr. Das C zum Beispiel steht für den charmanten Constantin und er spielt in vielen Melodien eine wichtige Rolle, nicht weniger wichtig sind die anderen Notengeister wie das D der dynamischen Nele, das E der energischen JosephinE oder das F für der fröhlichen Meike. Weiter geht’s mit dem na klar G der gefühlvollen Jessica, dem A der aufgeschlossenen Alina sowie dem H der humorvollen Nele, dem hohen c der coolen Lydia.
Wenn man es versteht, tief in die Musik einzutauchen, wenn man „Vollblutmusiker“ ist, dann sieht und hört man sie. Bis spät in die Nacht erfüllte Bella Musika die Runde und die Gemeinschaft der Musikalischen Mächte war heraufbeschworen.
Inzwischen rückte der Busbahnhof von Burg Stargard in Sichtweite und der Käpt’n gab ihnen zum Abschied noch einen Rat.
Auf hoher See haben mir die Notengeister auch immer zur Seite gestanden. Mit ihrer Hilfe über Listet mann die Skyfalls, Siegt über die großen Stürme auf den Weltmeeren, trotzt riesigen Wellen Bergen und erreicht immer die rettende Waterkant.
Ihr müsst die Fähigkeit entwickeln, die Notengeister zu rufen und mit ihnen Kontakt aufnehmen. Versucht es, aber denkt daran, es klappt nur mit guter Musik und mit vollster Leidenschaft. Sie helfen Musikern überall auf der Welt, wenn sie eine schwere Aufgabe zu bewältigen haben.
Na dann macht’s gut und ich wünsch euch einen erfolgreichen Workshop und ein tolles Konzert in Tschechien. Käptn Torsten packte seinen Seesack und stiefelte davon.
Auf dem Weg zur Jugendherberge waren sich alle drei sicher, dass auch dieses Wochenende magisch werden wird und sie gemeinsam mit den kleinen Notengeistern ein paar tolle Tage mit viel Musik und Spaß verbringen werden.

 

2 Kommentare
  • Robert Zimmermann
    Veröffentlicht um 08:14h, 28 März Antworten

    Stimmt das klingt toll. War wie letztes Jahr was Schönes was hoffentlich diesmal wieder so lustig wird 😉

  • Hannah Werner
    Veröffentlicht um 00:11h, 05 Mai Antworten

    war super schön ♥

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